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EMSCHER
UMBAU

»Die Emscher – schwarzer Fluss auf immer« – so lautete der Titel des Aufsatzes, den Gunther Annen, ehemaliger Geschäftsführer von Emschergenossenschaft und Lippeverband, im Jahr 1987 in der Zeitschrift »Forum Städte-Hygiene« veröffentlichte. Annen schilderte, mit welchen Methoden die Emscher zu einem geruchsfreien Fluss umgestaltet werden könnte. Als Lösung wird der Einsatz der biologischen Kläranlage in Dortmund-Deusen genannt. Zugleich weist Annen jedoch darauf hin, dass man sich »keiner Täuschung« hingeben dürfte, denn durch den Ausbau der Vorkläranlagen ließe sich die Emscher »nicht in einen Fluss mit klarem Wasser verwandeln. Sie wird besser als jetzt aussehen, aber immer noch trübe […].« Und Fische könnten sich in der einstigen »Köttelbecke« auch nicht mehr tummeln, so Annen.

Es kam alles anders. Als Ende der achtziger Jahre, mit der Nordwanderung des Bergbaus, das Risiko der Bergsenkungen sank, wurde die Idee, einen unterirdischen Abwasserkanal zu bauen, umgesetzt. Anfang der 90er Jahre begann somit der zweite Wandel der Emscher: In einem aufwendigen Prozess werden seitdem der Fluss und seine Nebenläufe Stück für Stück zunächst vom Abwasser und anschließend von den Betonsohlschalen befreit und in einen naturnahen Zustand versetzt.

Versuchsstrecke des Emscher-Umbaus in Dortmund Deusen. Verbreiterung des rechten Böschungsufers
2016 © EGLV / Stefan Tuschy

Dafür baute die Emschergenossenschaft neue, moderne Großkläranlagen und verlegt insgesamt 436 Kilometer an neuen unterirdischen Kanälen. Der Umbau ist im vollen Gange und wird mit der Abwasserfreiheit, die voraussichtlich Ende 2021 erreicht wird, beendet sein.

Flora und Fauna kommen dann allmählich wieder an die Emscher zurück, wie in Dortmund. An dem bereits renaturierten Flussabschnitt können der abwasserfreie Fluss und seine grünen Uferzonen bereits bestaunt werden. Wo es der Platz zulässt, erhalten die einst technisch begradigten Flüsse zukünftig nicht nur neue Ufer, sondern auch einen kurvenreicheren Verlauf. Zunehmend tummeln sich auch wieder Wassertierchen und Fische in den Gewässern. Die Emscher-Groppe konnte vor zwei Jahren erfolgreich im Borbecker Mühlenbach angesiedelt werden. In fast allen renaturierten Flussabschnitten ist der Dreistachlige Stichling gefunden worden und in der Emscher bei Dortmund stößt man sogar auf die heimische Bachforelle.

Dortmund-Schönau, renaturierte Emscher, Blick flussabwärts unterhalb der Brücke Diekmüllerbaum im Mündungsbereich vom Rüpingsbach
2018

© EGLV/ Rupert Oberhäuser

Der Umbau des Emscher-Flusssystems ist eine technische Herausforderung, die ein großes ingenieurtechnisches Know-how erfordert. Das Herzstück dieses Projekts ist der 51 Kilometer lange Abwasserkanal Emscher (AKE), der von Dortmund-Deusen bis zur Kläranlage Emscher-Mündung im Städtedreieck Dinslaken-Oberhausen-Duisburg verläuft. Er nimmt die Abwässer von rund 2,26 Millionen Einwohnern und umfangreiche Abwassermengen von Industrie und Gewerbe auf und leitet sie den Kläranlagen Bottrop und Emscher-Mündung zu. Der Spatenstich für den AKE ist im September 2009 erfolgt. Seit September 2018 wird der Abwasserkanal schrittweise in Betrieb genommen. Der Emscher-Umbau dauert bis Ende 2021 – dann führt die Emscher nur noch gereinigtes Wasser und Regenwasser. Über einen Zeitraum von rund 30 Jahren investiert die Emschergenossenschaft insgesamt mehr als 5 Milliarden Euro in die Umgestaltung des Flusssystems.

Abwasserkanal-Emscher an der Grothusstraße in Gelsenkirchen
2015

© EGLV/ Rupert Oberhäuser